KoRa/COSEC-Newsletter 2/25
- Frank Sieber
- 10 juil.
- 5 min de lecture

Guten Tag, Bonjour, Buongiorno, Bun di
«Politiker brauchen Apéros», hat der ehemalige Zürcher Kantonsratspräsident Benno Scherrer an seiner Wahlfeier (2021) erklärt. Gemeint war, dass diese das gegenseitige Kennenlernen fördern und damit das politische Verhandeln erleichtern. Unterstützt wird dieser zwanglose Austausch in der Regel durch die einschlägigen traditionellen Genussmittel, in erster Linie Alkohol.
Ist also der Alkohol – nach Exekutive, Legislative, Judikative und Medien – vielleicht sogar eine Art fünfte Gewalt im Staat? Als Förderer des gegenseitigen Verständnisses über alle Parteigrenzen hinweg und Schmiermittel in der Meinungsbildungsmechanik? So weit gehen Staatsrechtler und Politikwissenschafterinnen in der Regel nicht, aber kulturgeschichtlich kann man schon feststellen, dass Alkohol die Politik in verschiedener Form seit sehr Langem begleitet – und zwar nicht nur nobel an Staatsbanketten, sondern auch im legislativen Alltag. «Es wird fast zu jeder Tageszeit gesoffen», sagte beispielsweise eine SP-Nationalrätin vor einem Jahr in «20 Minuten» zu den Gepflogenheiten im nationalen Parlament.
Über den Grossrat des Kantons Waadt ist keine ähnliche Aussage überliefert. Aber auf die Weinbautradition im Kanton ist man dort zurecht stolz. Das unterstreicht jetzt der erste eigene Wein des Grossrats. Dieser stammt aus den Früchten von 157 Chasselas-Reben, die 2017 gepflanzt worden waren – eine für jedes Grossrats- und jedes Regierungsmitglied. Weitere Einzelheiten dazu und zu im engeren Sinne politischen Neuigkeiten aus weiteren Kantonen lesen Sie in der neuen Ausgabe des Newsletters.
Einen schönen Sommer – und mögen die Apéros auch in der ratsfreien Zeit nicht versiegen!
AG: Rechtliche Grundlage für Online- und Hybridsitzungen
Die Covid-19-Pandemie hat die Arbeit der Politik vor grosse Herausforderungen gestellt. Sitzungen konnten nur mit aufwändigen Schutzmassnahmen stattfinden. Deshalb forderten damals zwei parlamentarische Vorstösse, dass es eine gesetzliche Grundlage geben soll, damit Sitzungen von Parlament und Regierung in Zukunft auch online oder als Mischung aus online und Präsenz (hybrid) möglich sind – sowohl auf Kantons- als auch auf Gemeindeebene.
Der Grosse Rat des Kantons Aargau hat nun am 17. Juni 2025 die nötigen Gesetze beschlossen. Sie sollen ab dem 1. Januar 2026 gelten.
Das Geschäftsverkehrsgesetz regelt, wie Sitzungen des Grossen Rates ablaufen und wann ein Gremium beschlussfähig ist. Neu wird darin auch geregelt sein, unter welchen Bedingungen Sitzungen online oder hybrid durchgeführt werden können. Dabei spielt die Anzahl der Teilnehmenden eine Rolle.
Plenarsitzungen des Grossen Rates (und von kommunalen Parlamenten) dürfen nur dann online oder hybrid stattfinden, wenn eine Krisensituation vorliegt – so wie sie in der Kantonsverfassung beschrieben ist.
Sitzungen von kleineren Gremien wie Kommissionen, Geschäftsleitungen von Parlamenten oder Exekutiven können auch ohne Krisensituation online oder hybrid stattfinden. In vielen Fällen überwiegen dennoch die Vorteile des persönlichen Treffens. In der Regel sollen Kommissionen und kleinere Gremien daher in Präsenz tagen. Wenn es die Umstände als sinnvoll erscheinen lassen oder erfordern, können die Gremien jedoch ausnahmsweise auch online oder hybrid zusammenkommen, zum Beispiel für dringende Geschäfte oder wenn es um einfache Themen geht, die wenig Zeit und Diskussion brauchen.
Die Entscheidung, ob eine Sitzung online, hybrid oder in Präsenz stattfindet, trifft jeweils der oder die Vorsitzende des Gremiums.
VD: Un rapport, un vin et une horloge
Suite aux problèmes relevés notamment dans le cadre du rapport d’analyse externe de M. Jean Studer, le Grand Conseil a voté le 25 mars dernier une résolution confiant à une délégation des commissions de surveillance la mission de produire un rapport spécifique sur les dysfonctionnements relevés par M. Studer. Les conclusions sont attendues pour la fin de l’année. Les membres de la délégation auront pour première tâche de définir le périmètre précis de leurs investigations ainsi que les ressources nécessaires à leur enquête, en collaboration avec le Bureau du Grand Conseil. Par cette démarche, le Grand Conseil souhaite agir de manière concertée, en privilégiant une approche institutionnelle, avec l’objectif de restaurer un climat propice au bon fonctionnement des institutions vaudoises.
Le Parlement vaudois a présenté mardi 17 juin sa toute première bouteille de vin, issue des 157 pieds – un par membre du Grand Conseil et du gouvernement – de chasselas plantés en 2017 pour symboliser l’attachement de l’institution à son terroir et à son patrimoine viticole. À cette occasion, une collaboration avec l’École cantonale d’art de Lausanne (ECAL) a permis de concevoir une étiquette originale, fruit d’un concours mené auprès des étudiantes et étudiants de l’école. L’étiquette retenue, intitulée « Les Trois Portes », a été conçue par Léa Verboux et rend hommage à l’ancienne entrée du Parlement et à son architecture, composée de trois portes, tout en évoquant la séparation des trois pouvoirs. Le vin, un chasselas – cépage emblématique du canton –, a été vinifié par le député et vigneron Maurice Neyroud à partir de la première vendange. Ce vin n’a pas pour vocation d’être mis en vente, mais sera remis chaque année aux représentant·e·s des trois pouvoirs. Les bouteilles restantes serviront de cadeau protocolaire ou pour des événements officiels du Grand Conseil.
Fruit d’un travail exigeant et passionné mené sur plusieurs années par les élèves de l’École Technique de la Vallée de Joux (ETVJ), la nouvelle horloge du Parlement vaudois a été officiellement inaugurée mardi 10 juin. Conçue et fabriquée par différentes volées d’élèves, guidés par leurs formateurs, cette pendule unique en son genre incarne l’excellence du savoir-faire horloger et microtechnique de la Vallée de Joux et de son école. Le cadran de l’horloge, choisi par le Bureau du Grand Conseil, rappelle l’hémicycle de la Salle plénière et est le fruit d’un concours réalisé auprès des élèves en bijouterie. D’autres détails de cette pièce rendent hommage à ce lieu emblématique du pouvoir vaudois, comme le toit du parlement stylisé sur une des plaques qui soutient le mécanisme de l’horloge. Ce dernier comprend 372 pièces, dont certaines si complexes qu’elles ont nécessité la collaboration des maisons horlogères parmi les plus réputées de la Vallée de Joux. Silencieuse, parfaitement intégrée au bâti et lisible à distance, la pendule répond à un cahier des charges précis.
ZH: Neuer Anlauf für weniger Ratssitzungen
Im Zürcher Kantonsrat haben bürgerliche Parteien unter Führung der SVP einen neuen Versuch lanciert, die Zahl der Ratssitzungen zu reduzieren. Neu soll der Rat laut der entsprechenden parlamentarischen Initiative in der Regel nur mehr dreimal pro Monat statt wöchentlich tagen. Die Initianten argumentieren mit einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Politik und Familie, einer höheren Effizienz im Ratsbetrieb und weniger Pendelverkehr. Ausserdem sei die Geschäftslast so weit gesunken, dass man mit weniger Sitzungen auskommen könne.
Der 180-köpfige Rat hat die Initiative Ende Juni mit 93 Stimmen vorläufig unterstützt (60 Stimmen sind dafür nötig). Nun muss sich die Geschäftsleitung damit befassen und einen Antrag an den Rat vorbereiten. Im Mai 2024 war eine parlamentarische Initiative für eine Halbierung der Sitzungstage nur knapp gescheitert (88 : 86 Stimmen).
KoRa-Vorstand: Personalaustausch zwischen Parlamentsdiensten
Von den Bemühungen zur Förderung des Austauschs unter den Parlamentsdiensten war im letzten Newsletter bereits die Rede. Damals ging es um den ersten Stamm, den die St. Galler Kolleginnen und Kollegen ausgerichtet hatten, und dem weitere folgen werden. Neben diesen Gelegenheiten zum informellen Austausch diskutiert der KoRa-Vorstand aktuell auch, ein Angebot zu initiieren, das noch vertieftere Einblicke in die Arbeit anderer Dienste geben kann. Möglich wäre beispielsweise, dass Parlamentsdienste Schnuppertage zu bestimmten Themen anbieten könnten. Auch die Verlängerung eines Praktikums bei einem weiteren Parlamentsdienst könnte eine Möglichkeit sein. Im Hinblick auf die Mitgliederversammlung im Herbst sollen die Vorschläge konkretisiert werden.
Publikation: Gemeindeparlamente – eine Institution, viele Namen
Gemeinderat, Stadtrat, Einwohnerrat, Conseil communal, Conseil municipal... Gemeindeparlamente können viele Namen tragen. Der Politikwissenschafter Michael Strebel hat sich aus Anlass einer Debatte im Aargau um die Neubenennung der Gemeindeparlamente und anderer Organe die Namensfrage einmal näher angeschaut.
Termine
24. Oktober 2025: Herbsttagung der KoRa in Zürich
7./8. November 2025: Tag der Parlamente in Zürich
5. Juni 2026: Frühjahrstagung der ILK in St. Gallen
21. August 2026: Vizepräsidien-Seminar der KoRa in St. Gallen
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